Follow by Email

Mittwoch, 28. Mai 2014

Emma denkt



Peinliche Heimlichkeiten und musikalische Katastrophen

Wir alle haben Lieblingssongs. Solche, die wir uns zweihundertfünfundvierzigmal nacheinander anhören, bei denen wir laut mitsingen, lachen oder gar heulen. Ich meine damit diejenigen, ...von denen wir behaupten: das wird der eine Song für den Hochzeitstanz, den ich irgendwann mit meinem/r Liebsten tanzen werde. Oder: genau dieser Song soll einst an meiner Beerdigung gespielt werden.

Solche Lieblingssongs ziehen sich wie rote Fäden durch unser Leben, sind an Erinnerungen gekoppelt und mit Emotionen aufgeladen, wie Prepaid-Handys mit Telefon- und SMS-Guthaben. Oder gemütlich am Wegrand liegende Steine, die im Frühling die Wärme des Sonnenlichts in sich speichern (eindeutig die schönere der beiden Metaphern).

Und dann gibt es da noch die anderen, die heimlichen Lieblingssongs. Diejenigen, welche man für sich behält, von deren Existenz - als unsere alternativen Lieblingslieder - niemand sonst weiss. Weil sie uns peinlich sind. Weil sie mega uncool sind (ja, ich weiss, allein die Verwendung des Begriffs »uncool« an sich ist über alle Massen uncool, mir doch egal). Schlecht. Kitschig. Total nicht unser Stil. Womöglich gar in den Top Ten der Charts oder so. Kommerz-Mist. Absolutes No-Go!

Und dennoch hören wir sie uns an und freuen uns. Ganz heimlich natürlich. Ich behaupte: Jeder von uns ist schon einmal einem solchen peinlichen Song verfallen. Hat ihn sich heimlich auf Youtube hundertzweiundachtzigmal in Folge angehört, laut mitgesungen – und sich fabelhaft gefühlt. Wir haben keine Ahnung, wieso. Und obwohl wir uns dafür schämen, freuen wir uns wie grinsbackige Honigkuchenpferde, jedes Mal, wenn wir ihn hören.

Ich kenne das Phänomen von mir selbst nur allzu gut. Und ich finde es ebenso bescheuert wie witzig. Sollte es nicht eigentlich keine Rolle spielen, wie hip oder unhip, wie sehr Mainstream oder Underground die Musik ist, die unsere Herzen zum fröhlichen Lallen bringt, die uns tröstet, beruhigt, aufstellt und positive Gefühle in uns weckt? Spielt es denn wirklich eine Rolle, ob ich als eingefleischter Death-Metal-Fan bei diesem einen Brian Adams-Song jedes Mal wieder auf’s Neue dahinschmelze? Oder als beigeisterter Anhänger der elektronischen Tanzmusik hin und wieder auch mal lachend zu einem Schlagersong abspacken kann?

Ich glaube, es ist total ok, dass wir die – unserer Meinung nach – peinlichen Songs, die wir so mögen, für uns behalten. Sie hüten wie geheime Schätze für besondere Momente, in denen wir sie uns anhören und schwelgen. In aller Peinlichkeit - vor dem Badezimmerspiegel schlecht tanzend, falsch mitsingend, oder mit einer Packung Taschentücher heulend auf dem Sofa sitzend.

Ganz ehrlich, ich mag alle, die sich dafür nicht zu hip sind. Denn vor sich selbst den oder die Hippe/n mimen und sich dabei das versagen, was der eigenen – uh, möglicherweise vielleicht doch nicht ganz so hippen – Seele gut bekommt, ist doof. Man muss die peinlichen Lieblingssongs ja schliesslich nicht gleich auf Facebook posten oder so.

Ups.


Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen