Samstag, 30. Juni 2012

Statusmeldung: Offener Brief von Arnd Zeigler

Arnd Zeigler, Moderator der TV-Sendung "Zeiglers wunderbare Welt des Fußballs", schreibt in einem offenen Brief an Deutschland:


"Wenn ich mal eben offen reden darf: Dieses unglaubliche Rumgeflenne überall über die Niederlage gegen Italien ist erbärmlich und unwürdig. 
Wer jetzt so tut als seien die deutschen Spieler nach der ersten Niederlage nach 16 Siegen hintereinander (oder wieviele waren es?) plötzlich alles Vollpfosten, Totalversager und Nullen und ihr Trainer ein Nichtskönner, der hat den Fußball nicht mal im Ansatz verstanden.  
Wer es nach Siegen gegen Portugal, Holland, Dänemark und Griechenland nicht ertragen und akzeptieren kann, dass andere an manchen Tagen vielleicht einfach mal besser sind, der sollte möglicherweise Sport ganz allgemein meiden.
Wer jetzt ganz genau weiß, dass die Wechsel alle verkehrt waren, hat das möglicherweise schon nach dem Griechenland-Spiel posten wollen, aber da haben wir ja dann dummerweise gewonnen.  
Wer jetzt Spieler wie Schweinsteiger, Gomez oder Lahm hinstellt wie hoffnungslose Nulpen, die einfach zu schlecht sind - wer nicht ein Grundmaß an Respekt dafür aufbringen kann, wie ein Sportler (= Mensch) funktioniert, der liebt in Wirklichkeit nicht den Fußball, sondern setzt sich bräsig vor die Glotze und will ein möglichst gutes Preis-Leistungsverhältnis, und so einen blöden Europameistertitel kann man doch schon mal voraussetzen.  
Das Gerede von unserer angeblich „zu netten“ Elf und den fehlenden Schweinehunden ist eine populistische Scheißdebatte ohne jeden Nährwert. An irgendwas muss es jetzt liegen, weil es so schwer zu ertragen ist, dass da einfach jemand an einem Abend ganz banal etwas besser Fußball gespielt hat. Und deshalb werden jetzt solche Kackthesen an den Haaren herbeigezogen.  
Hätte Deutschland gegen Italien verloren, wenn eine der großen Chancen der Anfangsviertelstunde genutzt worden wäre? Ziemlich sicher nicht. Aber so geht Hummels Schuss nach fünf Minuten eben NICHT rein und die italienische Hintermannschaft murmelt sich den Ball fünf Zentimeter neben das eigene Tor, und schon stellt man hilf- und phantasielos Dinge in Frage, die über Jahre großartig waren.  
Nach 9 Punkten in der Todesgruppe, übrigens ausnahmslos gegen Teams, in denen ausgemachte Schweinehunde standen (Pepe! Van Bommel! Agger!), waren unsere Jungs noch nicht zu nett. Nun sind sie es plötzlich.
Die Italiener wiederum, die bei einem minimal anderen Spielverlauf gegen uns möglicherweise ausgeschieden wären, wären in diesem Fall wahrscheinlich als überalterte, fußballerisch limitierte Elf abgekanzelt worden, die gegen eine moderne deutsche Elf verliert, die aufgrund ihrer technischen Überlegenheit ohne Fouls auskommt. Wäre so gekommen, glaubt mir. Und deshalb ist so eine Diskussion Kinderkram und reines Medien-Tamtam. Und hochgradig albern. 
Und heute nun ballert also unvermeidbarerweise die BILD noch mal ordentlich dazwischen und füttert die Diskussionen am Stammtisch und anderswo mit Schlagzeilen wie: "BILD rechnet ab: Schweini wird nie ein Chef - Gomez hat nur die Haare schön - Lahm labert wie ein Politiker - Luxus-Versager - SO verhätschelt der DFB die Stars - Das Schreiben die BILD-Leser: Fan-Wut auf Nationalelf". Das geht jetzt wieder, weil Robert Enke schon lange genug tot ist. 
Es ist wirklich interessant zu beobachten, dass es für ein Abschneiden wie diesmal bei der BILD (und überraschenderweise auch bei vielen Fußball-Konsumenten) gar keine Kategorie mehr gibt. Es gibt nur "Europameister" oder "Vollversager". Die merken gar nicht, dass Deutschland vorher Portugal, Holland, Dänemark und die Griechen geschlagen hat, mit zum Teil phantastischem Fußball. Und gegen Italien nicht sang- und klanglos eingegangen ist und deklassiert wurde, sondern durch zwei Abwehrfehler gegen einen an diesem Tag einfach starken Gegner verloren hat, der im Gegensatz zu uns seine Chancen verwertet hat.  
Das alles rechtfertigt jetzt scheinbar einen Frontalangriff auf die Würde der Spieler. 2004 haben wir gegen Tschechiens B-Mannschaft verloren, gegen Lettland unentschieden gespielt und sind sieglos in der EM-Vorrunde gescheitert. Unsere Mannschaft diesmal wird von der BILD exakt genauso behandelt wie die Mannschaft damals. Und wir leben jetzt scheinbar in einer Zeit, wo zweite, dritte oder vierte Plätze bei Weltklasse-Turnieren nicht mehr ausreichen, um das Abschneiden positiv einzuordnen. Ich glaube, wenn man die Schlagzeilen der BILD in England, Holland, Frankreich oder Argentinien liest, lacht man sich tot über die Art und Weise, wie hier mit der Leistung der deutschen Elf umgegangen wird. 
Sehr komisch ist auch, dass als purer, mechanischer Akt der Einfallslosigkeit mit einer Trainerdiskussion begonnen wird. 
Unsere Pflichtspiel-Bilanz vor dem unglücklichen EM-Aus:  
4:2 gegen Griechenland
2:1 gegen Dänemark
2:1 gegen Holland
1:0 gegen Portugal
3:1 gegen Belgien
3:1 in der Türkei
6:2 gegen Österreich
3:1 in Aserbeidschan
2:1 in Österreich
4:0 gegen Kasachstan
3:0 in Kasachstan
3:0 gegen die Türkei
6:1 gegen Aserbeidschan
1:0 in Belgien.  
Vierzehn Siege hintereinander. Davor das Spiel um Platz 3 bei der WM, 3:2 gegen Uruguay. Davor das WM-Aus gegen Spanien, knapp mit 0:1, und davor: 4:0 gegen Argentinien, 4:1 gegen England und so weiter und so fort. Das ist Joachim Löws Arbeitsnachweis und Bilanz. Dass jetzt ernsthaft über sein Schicksal als Bundestrainer diskutiert wird, ist eigentlich sehr komisch, wenn es nicht so traurig wäre.  
Ihr, die ihr jetzt alles so furchtbar und so peinlich und so vorhersehbar findet, was da gegen Italien passiert ist: Was würdet ihr tun, wäret ihr Fans des Karlsruher SC oder von Magdeburg oder von Preußen Münster? Euch Woche für Woche die Pulsadern aufschneiden, weil eure Lieblingsspieler manchmal schlecht spielen? Und sogar wichtige Spiele verliert? 
Ich finde Facebook in diesen Tagen ganz, ganz eklig. Und wenn ich mir vorstelle, wie ein scheinbar gar nicht mal so kleiner Teil meiner Mit-Fans im Stadion zu ticken scheint, fröstelt es mich."

Donnerstag, 21. Juni 2012

15.03.2011 - Forchheim - Rock Cafe - Im Achtelfinale raus (13)

Auf geht’s an die alte Wirkungsstätte: Forchheim ruft wieder zum Slam!
Dieses Mal zu viert ab Bamberg, 1 Slammerpaar und eine weitere Slammerin steigt ein,
Bamberg ist also ab jetzt dort gut vertreten!

Haushoher Favorit des heutigen Abends ist ja eindeutig der doppelte fränkische Meister. Ob man gegen ihn etwas schaffen kann, bleibt zu bezweifeln. Doch wie lautet das Sprichwort?
Wer nicht slammed, hat schon verloren!
Blöderweise ist heute zeitgleich Champions League. Also nicht nur Champions League – der FC Bayern spielt. Ich stoße hier leider auf großes Unverständnis bei den anderen Slammern bei der Offenbarung, dass mir Fußball und meine Fanleidenschaft wichtig sind.
Doch meine Zusage für den Slam stand schon, bevor ich wusste, dass an diesem Tag CL statt findet – Und Freunde lässt man nicht hängen.
Bleibt also nur Eines: Im Bayern-Trikot auf den Slam (selbstverständlich wurde ich dann auf der Bühne von Hatern darauf angesprochen), dazu das Handy online und meine Lieblingsinformantin damit beauftragt, mir alle Bayerntore (Inter-Tore selbstverständlich nicht, schlechte Stimmung brauch ich ja auf dem Slam auch nicht!) zeitnah zu übermitteln.
Und was seh ich in der Slam-Location? An der Theke einen Laptop mit Liveticker!
Tja. Damit war dann auch schon geklärt, wo ich die Pausen verbringen würde.

In der ersten Pause dann direkt zur Theke. 0:1 durch Eto. Verflucht. Doch: Noch vor Pausenende Ausgleich! Jubel & Niedergeschlagenheit also. Tja, Bayern-Fans sind da abgehärtet.

Aus traditionellen Gründen bestell ich mir nen Traubensaft! Doch trotzdem widerfährt mir dann beim Slam Lospech: Gleich in der Vorrunde treffe ich auf den Favoriten. Naja. Selbstverständlich setzt er sich auch durch, entscheidet dann im Finale auch den gesamten Slam für sich. Schade eigentlich!

Nach Slamenende geht’s direkt wieder an die Theke. 2:2 stehts. Doch dann noch ein Gegentor. Der Laden ist schon fast leer, nur noch ein paar Slammer sind um mich rum.
Es hilft nix, ich muss Daumen drücken. Doch verdammt, ich hab nicht genug Zeit, um per Gedankenkraft einen Ausgleich zu erzwingen.

Tja. Umgeben von ein paar Slammern, 2 je mit 2 Glas Wein betrunkenen Mädels, ist also nun das Chaos perfekt. Dazu kommen noch „Beziehungsprobleme“ (so fass ichs mal auf), was die Stimmung auch nicht gerade explodieren lässt.
Fakten: Beim Slam in der Vorrunde raus, Bayern im Achtelfinale raus, Stimmung nach dem Slam eher nervig / gedrückt. Zusammenfassung: Es gibt bessere Abende.

Im Frankenslam-Forum wird wieder subjektiv Bericht erstattet über den Slam: Ich hätte eine „beständige“ Leistung abgeliefert. Hm. Ist das nun positiv oder negativ?
Hab zwar das Feedback bekommen, dass dieser Text auch geil für die fränkische Meisterschaft wäre. Wenn ich mit dem Text aber keine Chance auf Sieg hab, wieso sollte ich ihn bei ner potentiellen Teilnahme von ner Meisterschaft nehmen? Hm.

Beim nächsten Slam in 1 Monat bin ich wohl nicht dabei. Die Teilnehmerliste ist schon voll.
Bin ich zu eintönig und deshalb vielleicht nicht mehr so interessant?
Wird es Zeit, Neues auszuprobieren?
Oder ist es einfach jetzt an der Zeit, noch weiter an den Texten zu feilen?

Meinen ersten Slamtext hab ich nun geschrieben und fertig.
Vielleicht ist es Zeit, diesen nun auch zu auf die Bühne zu bringen.

Dienstag, 19. Juni 2012

Blumentopf - Raportage - Teil 5: Rückschau auf Dänemark

Relegation: Fortuna vs. Hertha BSC

Wie einige von Euch mitbekommen haben, hats im letzten Spiel in der Relegation um den potentiellen Klassenerhalt von Hertha BSC Berlin oder den Aufstieg von Fortuna Düsseldorf "tumultartige Szenen" gegeben. Heute hab ich ein Interview bzw. Statement von Campino, dem Frontmann der Band "Die Toten Hosen" gefunden, der live im Stadion war und jetzt mal aus seiner Sicht berichtet:


http://www.ndr.de/info/programm/sendungen/interviews/campino181.html

Leider kann ich das ganze Interview hier nur so verlinken!
Ist mal interessant, das aus solch einer Sicht zu hören.

Kurioses/Witziges aus der Welt des Fußballs. Jogi Löw bei der EM.